Kolumne von "CAT- stairs" - Das Kabarett

Weihnachtsgrüße - oder so ähnlich

Sehr geehrte Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen, Wichtel und Wichtelinnen, Rentiere und Rentierinnen sowie Konsumenten und Konsumentinnen es ist wieder einmal soweit! In dieser doch so kalten Jahreszeit laufen Menschen – wie Neandertaler auf der Suche nach Beute – durch die Kaufhäuser und Geschäfte unserer doch so wunderhübsch und festlich geschmückten Städte. Sie plündern dabei alles was nicht niet- und nagelfest ist oder sich bei Drei rechtzeitig auf einen nächstgelegenen, aus schwedischem Möbelhausexport stammenden Tannenbaum flüchten konnte. Ohne Rücksicht auf finanzielle Verluste wird dabei alles konsumiert, was bunt blickende angepriesen wird und selbst wenn es im Winter der letzte Husten ist. Nach erfolgreicher Jagd schleppen sie sodann Berge von, mit Geschenkpapier kitschig eingeschlagenen, Paketen, überquellende Tüten von Süßigkeiten und andere vollkommen zweckfreie Sachen und undefinierbare Gegenstände nach Hause. Über diese Präsente sollen sich nämlich am Heiligen Abend die Lieben aus Familie und Freundeskreis, aber auch die BRD-Otto-Normal-Bürger bis zur Besinnungslosigkeit erfreuen. Und in diesem Delirium, verursacht durch kleine, Rauch spukende, Holzmännchen und Glühwein, verfallen viele in spontan auftauchende Glückseeligkeit und unendliche Hilfsbereitschaft. Und als ob das nicht schon genug wäre, dröhnen uns von allen Seiten piepsig singende Domspatzen, erzgebirgische Gesangsquartette und schlecht bezahlte Rundfunkchöre die Ohren mit himmelhoch jauchzender Adventsmusik zu. Aber spätestens, wenn wir „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zum einhundertsechsundachtzigsten Mal innerhalb von vierundzwanzig Tagen gehört haben, wissen wir ganz genau, dass es wieder Weihnachten ist. Und dieses Feste der Liebe kommt gefühlt immer so plötzlich. Und alle verfallen sodann in eine grassierende, fast unbeschreibbare Euphorie, welche aber auch ein schnelles Ende hat, denn schon am 27. trotten die Menschen wieder durch den ganz normalen Alltag. Bis dahin möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser ein anderes Fest wünschen. Mögen Sie Weihnachten in seiner eigentlichen Bedeutung erleben und haben Sie eine frohe und behütete Zeit.
Ihr Ensemble „CAT- stairs“ – Das Kabarett


Schulvernichtungsplan

Davon haben sie bestimmt schon einmal gehört. Nein? Naja, dann vielleicht eher unter dem Namen Schulentwicklungsplan. Jetzt, ja? Ahhh, oder vielleicht doch nicht. Nachdem jahrelang ABC- Schützen auf staatliche Kosten und zu Lasten der Kommune in dieser historischen Militärstadt rekrutiert und zum Dienst am Füllfederhalter ausgebildet wurden, darf jetzt auch zurück geschossen werden. Und zwar von der Stadt. Bekanntermaßen diskutiert der Stadtrat derzeit, in „the same procedure as every year“, über die Schließung bzw. Zusammenlegung von mehreren Schulen in unserer Landeshauptstadt. Bei der Sekundarschule „Freiherr von Stein“ ging es beispielsweise frei nach dem Motto: „Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Und da ja alle keine Schuld gehabt haben wollen, ist von der Schule nun nichts mehr übrig. So kann´s gehen oder besser, so konnten sie gehen . . .

die Kabarettdödel Doch kann man der Stadt keinen Vorwurf machen. Sie erfüllt nur stur und befehlstreu die Vorgaben des Landes. Denn die Zahl der eingeschulten Schüler pro Schule muss mindestens 40 betragen, damit sie erhalten bleibt. Was ist denn aber, wenn unter den 40 angemeldeten Schülern ein so talentierter ist, der eine Klasse überspringen könnte? Aber dass Kinder Klassen überspringen können, ist dann bestimmt auch nur noch auf dem Sportgymnasium möglich.

Und natürlich wird im Schulvernichtungsplan darauf geachtet, dass alles so effektiv wie möglich seinen Gang geht. Da wird die humanistische Kaserne der Ausbildung und Wissensvermittlung ganz schnell in eine Leeranstalt umgewandelt. Nach dem Motto: je mehr Schulgebäude geschlossen werden, umso besser. Denn der heutige Pennäler treibt sich ja viel lieber in der Innenstadt rum. Daher kann der Unterricht auch verlagert werden, nämlich dahin wo der Kunde Schüler zu finden ist, nämlich in Bars, Cafes oder Clubs. Hier muss nämlich der Jugendliche auch keine Angst haben, dass dort der Putz von der Wand des Klassenzimmers mit dem Kalk in den Köpfen der Lehrer um die Wette rieselt. Auch im Kino könnte dann der Lehrstoff vermittelt werden, hier gibt es jedenfalls ein Garant dafür, dass man sich den Unterrichtsfilm auch ansehen kann sogar in 16 : 9 und nicht mit der veralteten Technik zu kämpfen hat.

Aus diesen wunderschönen Gründen können sich private Schulen inzwischen nicht mehr vor Anfragen retten. Wer jetzt noch an eine Waldorffschule wechseln will, der muss durch zahlreiche Eignungsprüfungen (neudeutsch Castings), bei denen natürlich überprüft werden muss, ob „you can dance“ deinen Namen mit Eurythmieschuhen.

Und so wie Angie sich am Georg W. kuschelt, so müssen wir uns wohl bald an amerikanische Verhältnisse gewöhnen. Privatlehrer und Eliteschulen welcome! Auch Schulschwänzen wird in Zukunft immer weniger geahndet, denn wie der Schulentwicklungsplan, auch SEPL genannt schon aussagt: Was Sepl nicht lernt, lernt Sepp nimmermehr. Und deshalb steht die Frage im Raum: Warum soll man junge Menschen fast ein Jahrzehnt mit Wissen voll stopfen? Denn eine umfassende Bildung ist heute auch kein Garant mehr für einen Ausbildungsplatz. Gut Rechtschreibung, besonderes die neue Schlechtschreibreform sollte die Kinder schon beherrschen. Denn man sollte als Jugendlicher schon wissen, dass man Rente ab sofort ohne R schreibt.

Schleppst du dein Haupt zur selbgen Schule,
dann grab ein Loch, ne tiefe Kuhle,
doch willst du zur Elite zählen,
musst du die richtge Schulbank wählen.
Ob Humbold, Einstein sei unverdrossen,
eh du sie erblickst wird sie geschlossen.